Mobirise

Das Ringen um das Möhringer Bürgerhaus

Birgit Dirksmöller, Walter Keck, März 2016
(Fotos: Jürgen Lohmann)

Bis Baubeginn vergingen 64 Jahre...

Die Vorgeschichte des Bürgerhauses beginnt im Februar 1942 mit dem Eingemeindungsvertrag zwischen Stuttgart und der Gemeinde Möhringen a.d.F.. In dem Vertrag soll die Stadt Stuttgart die geschichtliche und heimatliche Eigenart des neuen Stadtteils „Stuttgart-Möhringen“ erhalten und berücksichtigen. Konkret wird unter anderem die Fortführung der gemeindlichen Planungen für eine Festhalle zugesagt.

Schon in den 80/90er Jahren gab es immer wieder Anstöße für einen Bau einer Festhalle im Bezirksbeirat, die aber keine Fortschritte zeigten. Ende November 1998 trafen sich geführt von den Herren Hans-Martin Härter, Albrecht Roos und Kurt Pfeiffer eine Gruppe engagierter Möhringer Bürger, um sich im Arbeitskreis „Initiative Lebensraum Möhringen“ im Stadtbezirk Möhringen ehrenamtlich zu engagieren. Die ersten vier Projekte betrafen die Umwelt mit Korkensammlung und Pflege alter Streuobstarten, die Kleinbuslinie zum Pflegezentrum Bethanien, der Besuchsdienst für alleinlebende Menschen und die Aufnahme von Verbindungen zu Menschen in Osteuropa. Im April 2000 fand sich im Rahmen eines offenen Workshops ein Kreis mit dem Namen „Gemeinsinn in Möhringen“, der schnell einen entscheidenden Mangel im Stadtbezirk erkannte: Es fehlte eine markante Mitte, ein Platz, ein Haus welches Möglichkeiten zu Austausch, Begegnung und Zusammenarbeit bot und das allen Einwohnern, Vereinen und Institutionen offenstand. 

Im März 2002 entstand aus dem Arbeitskreis unsere „Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg e.V.“, mit der das Projekt „Gemeinwesenzentrum Möhringen“ schnell und entscheidend Fahrt aufnahm. Es bildete sich eine erweiterte, sehr aktive Projektgruppe aus örtlichen Vereinsvertretern, die mit dem Geschäftsführer Hans-Martin Härter und Projektsprecher Walter Keck das Vorhaben gemeinsam entwickelte. Vor allem wurden von der ILM detaillierte Bedarfserhebungen bei allen betroffenen Vereinen und Institutionen in Möhringen, Sonnenberg und Fasanenhof durchgeführt, um jeweils Bedürfnisse, Nutzen und Auslastungen des begehrten Bürgerhauses nachzuweisen. Allein diese Aktionen waren ein Kraftakt, der viel Zeit und Energie kostete. Ihre Ergebnisse wurden zusammengefasst und bald ergab sich ein klareres Bild. Da man aus den Fehlern bei der Konzeption anderer Bürgerhäuser lernen wollte, wurden einige auswärtige Vergleichsobjekte angesehen. Dies ergab hilfreiche Ideen bei der Gestaltung des zukünftigen Bürgerhauses. Schließlich war auch die Standortfrage ein offener Punkt. Neben dem früheren Postparkplatz, wofür sich die Stadt aussprach, waren auch die Bereiche „Festwiese“ (Sportgelände/Freibad) oder Flächen beim KCG erwogen worden. Das Gelände sollte der Stadt gehören, eine gute Erreichbarkeit sollte sichergestellt werden sowie Parkplätze vorhanden sein. 

Einige Briefe wurden an den Oberbürgermeister Herrn Dr. Wolfgang Schuster geschrieben, der unserem Projekt wohlwollend gesinnt war, um das Gemeinwesenzentrum in die Haushaltspläne der Stadt Stuttgart zu bekommen. Der Bezirksbeirat und der Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann standen schon früh hinter dem Projekt, aber es ging auch darum die Fraktionen der Gemeinderäte zu überzeugen, hier besonders unterstützt von Gisela Abt. Erst die „Machbarkeitsstudie Postparkplatz“ durch das hiesige Architekturbüro Schönthaler/Schmid vom März 2003, die die Bedürfnisse der Möhringer darstellte, führte zum Durchbruch. Dazu trugen auch eingegangene größere Spenden von drei Möhringer Unternehmen für das Bürgerhaus bei. 

Im November/Dezember 2003 stimmte der Gemeinderat der Stadt Stuttgart dem Bau eines Bürgerhauses in Möhringen zu und nahm das Vorhaben in den Doppelhaushalt 2004/2005 auf. Als Standort wurde der Postparkplatz bestimmt und die Raumprogrammfläche mit 1420 qm angesetzt. Damit konnte die ILM ihr Projekt „Gemeinwesenzentrum“ eigentlich als erfolgreich abgeschlossen betrachten. Wir arbeiteten aber als Mitglied der ARGE-Möhringen e.V. (Arbeitsgemeinschaft der Möhringer Vereine, Kirchen, Organisationen und Parteien) im „Arbeitskreis Bürgerhaus“ des Stadtbezirks bei der Bauphase von Ende 2006 bis 2008 weiter an der Realisierung des Bürgerhauses mit.

Der Bericht über das Bürgerhaus wäre unvollständig, wenn nicht neben allen nutzenden Vereinen und Institutionen die besonders aktiven Gruppen wie der Bürgerverein mit den vielfältigen Kulturveranstaltungen, Musikvereine sowie der 2004 gegründete „Kultur- und Förderverein Bürgerzentrum Möhringen e.V. “gewürdigt würden. Dessen Beiträge, Sach- und Geldspenden zur Innenausstattung, wie Technik/Beleuchtung, Bühne/Flügel und Küche, für die sich Xaver Beck sehr eingesetzt hat, verbesserten das Bürgerhaus erheblich. Es wäre zu wünschen, dass auch in Zukunft an einer Fortentwicklung (z.B. Klimaanlage) weitergearbeitet wird.

Nach dem Richtfest im Juli 2007 feierte Möhringen am 1. März 2008 mit OB Dr. Schuster endlich die Einweihung seines Bürgerhauses, das allseits gut angenommen wird.