Mobirise

Eine Nacht für die Möhringer

Julia Barnerßoi, 18.März 2013

Möhringen 650 Gäste bestaunen die Oldtimer bei der Veranstaltung von Auwärter- und Heimatmuseum. 

Die runde Uhr über dem Rückspiegel zeigt zehn nach zehn – schon vor Jahren ist sie stehen geblieben. Ansonsten funktioniert der dunkelblaue Oldtimer-Bus aus dem Jahr 1950. Zielsicher lenkt Helmut Lenz den knatternden Bus mit dem riesigen Lenkrad durch die Möhringer Straßen. Birgit Dirksmöller vom Heimatmuseum hüpft bei jeder Bodenwelle auf dem Notsitz auf und ab, während sie die Sehenswürdigkeiten, die links und rechts vorbeiziehen, erklärt. Es ist die erste Fahrt des Oldtimer-Busses bei der Möhringer Nacht am Samstag. Es ist erst früher Abend, und bis 22 Uhr wird er noch oft beweisen müssen, dass 63 Jahre kein Alter für einen Bus sind.

Die Reise beginnt für die 650 Besucher, die es am Ende des Abends gewesen sein werden, am Neotel Hotel, das seine Wiedereröffnung feiert. Im Hotel ist das Auwärter-Museum untergebracht. Gottlob Auwärter gründete auf der anderen Seite der Vaihinger Straße einst die Firma Auwärter, die den dunkelblauen Bus und seine Gefährten, die die Besucher an diesem Abend durch den Bezirk fahren, hergestellt hat. Der Enkel des Gründers, Konrad Auwärter, hatte die Idee für die Möhringer Nacht und sie gemeinsam mit dem Heimatmuseum sowie dem Gewerbe- und Handelsverein organisiert. Die Gestaltung haben Studenten der Fachschule für Werbegestaltung Feuerbach übernommen. An sie geht auch der Erlös des Abends.

In der Hotelgarage steht Konrad Auwärter stolz vor einer mehr als mannshohen beleuchteten Leinwand. Darauf ist der Stammbaum der Familie Auwärter zu sehen – mit 260 Familienmitgliedern. „Rund 100 sind heute da“, erzählt der Enkel des Firmengründers, der Anfang der 70er Jahre mit der Firma nach Niederbayern zog. Die Möhriger Nacht hat er für ein Familientreffen genutzt. „Vor allem soll der Abend aber eine Hommage an meine Heimat sein“, sagt er. Die Busrundfahrten will er auch in Zukunft anbieten.

Dass die Rundfahrt durch die eigene Heimat vor allem etwas für Möhringer ist, finden auch die fünf Reisebegleiter vom Heimatmuseum um die ehrenamtliche Leiterin des Museums Inge Epping. „Die meisten kennen die Schätze ihres Ortes nicht“, sagt Birgit Dirksmöller. Die fünf Reiseleiter hingegen rattern die Jahreszahlen zu den Gebäuden nur so herunter und wissen zu vielen Orten auch gleich ein pas- sendes Geschichtchen. Neben den Rundfahrten ist im Museum und der angrenzenden Garage noch einiges mehr geboten. Nicht nur die Schätze der Firma Auwärter sind ausgestellt. Viele weitere Mitglieder des baden-württembergischen Karosseriebaus stellen Fahrzeuge aus. Von der Kutsche bis zum VW-Bus ist vieles zu sehen. Mitten im Museum dreht ein Zug seine Kreise. „Wir konnten Thomas Mörbe von der Projektgruppe Filderbahn gewinnen“, sagt Inge Epping. Mörbe hat ein Modell des Möhringer Bahnhofs im Maßstab 1:87 aufgebaut.

40 Minuten dauert die Rundfahrt durch den Ortskern mit einem Stopp an der Galerie Abart. Dort können die Besucher zwei neue Ausstellungen besichtigen. Auf dem Weg liegen außerdem der Möhringer Bahnhof, der Spitalhof und die Martinskirche. Bei den Fahrgästen kommen immer wieder Erinnerungen hoch. „Hier war ich jahrelang Ministrant“, sagt ein Mann, als der Oldtimer die Kirche Sankt Hedwig passiert. Auch den Fußgängern gefällt, was sie sehen: Kinder machen große Augen, mancher Passant winkt dem außergewöhnlichen Bus und seinen Insassen fröhlich zu. Schließlich hat der Oldtimer wieder das Hotel erreicht. Die Zeit ist vergangen wie im Flug – auch wenn sie über dem Rückspiegel im Bus stehen zu bleiben scheint.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 18.03.2013