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Eine Nacht für die Möhringer

Stefanie Käfferlein, 18.Februar 2013

Konrad Auwärter und die Mitglieder des Heimatmuseums laden zur ersten Möhringer Nacht ein. 

Routiniert und mit Fingerspitzengefühl lenkt Helmut Lenz den blauen Bus durch den Möhringer Ortskern. Passanten auf den Gehwegen drehen sich nach dem Oldtimer um. Keine Frage: der Mercedes O 3500, Baujahr 1950, mit der Auwärter-Karosserie ist ein seltener Anblick. 1954 hatten auf dessen Sitzen prominente Fahrgäste Platz genommen. Der Mercedes war Shuttle-Bus für die deutsche Fußballnationalmannschaft, als diese sich in Obertal im Schwarzwald auf die Weltmeisterschaft vorbereitet hat. „Rechts sehen Sie das Rathaus, das 1836 gebaut wurde, daneben die Meldestelle von 1897, das erste Möhringer Schulhaus“, tönt die Stimme von Margarete Maier durchs Mikrofon. Sie ist alteingesessene Möhringerin und engagiert sich im Heimatmuseum, einer Projektgruppe der Initiative Lebensraum Möhringen (Ilm). An diesem Freitagabend mimt sie für ihre ehrenamtlichen Kollegen aus dem Heimatmuseum und Konrad Auwärter die Reiseleiterin. Denn zum ersten Mal fährt die Gruppe die Route für die Rundfahrt während der Möhringer Nacht ab.

Die Möhringer Nacht ist eine Premiere. Sie wird am Samstag, 16. März, im Gottlob- Auwärter-Museum und mit der Rundfahrt in ganz Möhringen stattfinden. Die Idee dazu hatte Konrad Auwärter, der Sohn von Gottlob Auwärter junior, der 1953 die Marke Neoplan gegründet hat. Das Unterneh- men hatte viele Jahre seinen Sitz an der Vaihinger Straße. Vor einem halben Jahr war Auwärter mit seinem Vorhaben auf die ehrenamtliche Leiterin des Heimatmuseums, Inge Epping, zugegangen. „Ich habe sie einfach überrumpelt“, sagt Auwärter und lacht. Bereits im vergangenen Jahr war das Museum mit im Boot, als Auwärter während der Langen Nacht der Museen den roten Teppich ausrollte.

„Die Besucher zahlen am 16. März fünf Euro“, sagt Auwärter. Darin enthalten sind der Besuch des Museums und die Rundfahrt. Drei Busse fahren von 17 Uhr an jede halbe Stunde die Route ab. Start- und Endpunkt ist das Museum an der Vaihinger Straße 151. Ein Halt ist an der Galerie Abtart vorgesehen. „Einen vierten Bus haben wir für alle Fälle in petto“, sagt Auwärter. Reiseleiter sind die Mitarbeiter des Hei- matmuseums. Für die Möhringer Nacht konnte Inge Epping zudem die Projektgruppe Filderbahn um Thomas Mörbe gewinnen. Im Auwärter-Museum ist ein Modell des Möhringer Bahnhofs im Maßstab 1:87 zu sehen. „Außerdem wird der neue Pächter das Neotel präsentieren und einen Cocktail spendieren“, sagt Auwärter.

Besonders freut sich Auwärter auch auf die Präsentation des digitalisierten Stammbaums seiner Familie. Daran haben Studenten der Stuttgarter Schule für Farbe und Gestaltung mehrere Monate im Rahmen ihrer Semesterarbeit gearbeitet. Zudem haben sie mit dem Gewerbe- und Handelsverein die Plakate und Flyer gestaltet, die von dieser Woche an in Möhringen verteilt werden. An die Studenten geht auch der Erlös der Möhringer Nacht. „Der Stammbaum wird künftig fester Bestandteil der Ausstellung sein“, sagt Auwärter. Eine dauerhafte Einrichtung sollen aber auch die Ortsrundfahrten werden. „Wir wollen unser Möhringen mit seiner Geschichte darstellen“, sagt Auwärter. „Wir sind zwar Stuttgarter, aber in erster Linie Möhringer.“ Die Rundfahrten sieht er als Modul, das mittel- oder langfristig beispielsweise der Stuttgart Marketing GmbH angeboten werden oder Teil der Langen Nacht der Museen sein könnte.

Inzwischen ist der Bus mitsamt seinen Fahrgästen in die Vaihinger Straße einge- bogen. Rechts, dort wo derzeit das neue Wohngebiet Seepark entsteht, gründete Gottlob Auwärter das Unternehmen. Eines der Fahrzeuge, das 1950 dort hergestellt wurde, ist der blaue Omnibus. vom Typ Mercedes O 3500.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 18.02.2013