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„Mama, kann man Omas und Opas auch leihen?“

Simon Tauscher, 11.August 2012

Seit Sommer 2008 läuft im Raum Möhringen, Fasanenhof, Sonnenberg das Projekt „Leihgroßeltern“. Familien mit Kindern und Leihomas und -opas werden durch die Initiative zusammengebracht. So wird ein Austausch zwischen den Generationen ermöglicht. Beide Seiten profitieren von der ehrenamtlichen Arbeit.

Eine eigene Oma oder einen eigenen Opa zu haben, das wünschen sich viele Kinder und Familien. Oft wohnen die Großeltern jedoch weit weg oder sind sogar bereits verstorben. Auf der anderen Seite wünschen sich viele älteren Leute eine Aufgabe, wollen den Kontakt zu der jüngeren Generation nicht verlieren oder einfach nur einen Enkel aufwachsen sehen.

Im Sommer 2008 wurde das Projekt „Leihgroßeltern“ von Gemeinde-Diakonin Birgit Keyerleber in Zusammenarbeit mit dem Generationenhaus Möhringen ins Leben ge- rufen, das genau diesen Interessenaustausch ermöglichen soll. Die Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (ILM) bringt seitdem Großeltern und Familien zusammen. „Ziel des Projekts ist es, Familien zu entlasten und Jung und Alt in generationenübergreifenden Projekten zusammenzuführen und so beiden Seiten Freude zu schenken“, sagt Keyerleber.

Etwa 20 Familien sowie 13 aktive Leihgroßeltern habe man bis dato bereits vermittelt. Wer Leihgroßeltern sucht oder selbst Leihoma oder Leihopa werden möchte, meldet sich zunächst telefonisch oder per E-Mail bei der Initiative. „Wir machen dann Besuche bei den Familien und schauen: Wer könnte zusammenpassen. Dann tauschen wir Bilder von Enkeln und Großeltern aus und vereinbaren ein erstes Treffen, bei dem auch die Eltern anwesend sind. Sollte die Chemie stimmen, sind Großeltern und Familien fortan weitgehend selbstständig. Allerdings bekommen die Leihgroßeltern immer wieder Seminare und Fortbildungen.“ Etwas Bestimmtes müsse man nicht mitbringen, um Leihoma oder -opa zu werden, nur Offenheit, Freude an Kindern und natürlich Zeit, ergänzt Jessica Knirsch, die seit einem Jahr gemeinsam mit Keyerleber das Projekt koordiniert. „Meist ist das für Großeltern und Enkel etwa ein Treffen pro Woche, vielleicht drei bis vier Stunden. Bei Bedarf springen die Leihgroßeltern aber auch mal außerplanmäßig ein.“ Was bei den Treffen genau unternommen wird, bleibt den Großeltern und Enkeln überlassen.

Adelheid Lange ist seit November letzten Jahres Leihoma und hat so drei neue Enkel bekommen. „Erst wollte ich nicht so richtig, aber mein Mann hat ein bisschen gedrängt – ich habe doch Kinder so gern. Jetzt bin ich froh, dass ich es gemacht habe, es macht mir richtig Spaß. Ich habe eine feste Konstante in der Woche, und die Kinder freuen sich auch immer schon auf das Treffen.“ Mal geht sie mit den Kindern auf den Killesberg, mal in die Wilhelma oder zum Flughafen. „Die Jungs interessieren sich doch so für Flugzeuge.“

Fahrtkosten werden den Leihgroßeltern erstattet; grundsätzlich arbeiten sie aber auf ehrenamtlicher Basis. Zurzeit ist der Andrang auf das Projekt seitens der Familien groß, und die Warteliste dementsprechend lang. Gesucht werden auf der anderen Seite immer noch Leihgroßeltern aus dem Raum Möhringen, Fasanenhof, Sonnenberg, die Familien in dem Projekt unterstützen.

Mit freundlicher Genehmigung vom Stuttgarter Wochenende, Süd-Ausgabe vom 11.08.2012