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Eine Leihoma ganz für uns alleine

Knickbein' Nr. 10/8, 11.Dezember 2011

Eine Mutter berichte über ihre Erfahrungen mit dem Leihgroßelternprojekt der ILM

Ich bin Mutter von drei Kindern, wohne in Möhringen und widme mich derzeit hauptberuflich meinem kleinen "Familienunternehmen". Da ich neben dem Hausfrauendasein gern noch ehrenamtlich tätig sein wollte, habe ich mich Anfang 2011 bei der ILM gemeldet, als ich las, dass Frau Keyerleber, Diakonin in Möhringen und Hauptverantwortliche für das Leihgroßelternprojekt Unterstützung brauchte. 

Nach einem Treffen mit Frau Keyerleber und einem Besuch bei einem der regelmäßig stattfindenden Treffen von ihr und den Leihgroßeltern, bei dem die Begeisterung der Leihgroßeltern übersprang, wollte ich erstens unterstützend tätig sein und zweitens selbst auch eine Leihgroßmutter für uns haben. Zum Glück schlossen sich diese zwei Wünsche nicht gegenseitig aus und so kamen wir schon bald zu unserer Leihoma. Eigentlich war sie für unseren Jüngsten (damals 1 1/2 Jahre alt) gedacht, aber nach anfänglicher Ablehnung und Skepsis, waren die Mädels (7 und 4) nach ersten Annäherungsversuchen schon bald begeistert, dass da eine nette ältere Dame kommt und Zeit hat für Spiele, Unterhaltung, gemeinsame Gartenarbeit und und und. Meistens ist unsere Leihoma, die wir alle duzen dürfen, einmal die Woche morgens mit dem kleinen Baggerfan unterwegs und besucht Baustellen und Spielplätze mit ihm. Wenn Jasper sie sieht, ruft er schon vor lauter Vorfreude "Badda" (soll Bagger heißen) und spaziert los, ohne sich noch einmal nach mir umzudrehen. In den zwei bis drei Stunden kann ich mich mal ungestört meinen anfallenden Arbeiten und Projekten widmen, ganz ohne schlechtes Gewissen, mein Kind schon wieder einer anderen Mama aufs Auge gedrückt zu haben, so toll die gegenseitige Unterstützung in unserem sozialen Netzwerk auch funktioniert. Wenn Jasper dann später schlafend im Kinderwagen zurückkommt, plauschen die Leihoma und ich meist noch ein wenig, bevor wir wieder eine Woche lang unsere Wege gehen. In Notfällen springt sie sich mal zwischendurch oder an einem anderen Wochentag ein, aber über gebühr wollen wir sie nicht strapazieren, denn sie hat genug andere Termine. 

Und was bekommt sie zurück? In unserem Fall zumindest einmal Hilfe am Computer und einen Abholservice vom Flughafen und hoffentlich das Gefühl, dass auch wir für sie da sind, wenn sie uns mal bräuchte. Bei einem Treffen mit den Leihgroßeltern hat es eine Oma so wunderbar formuliert: "Eigentlich wollte ich geben und nun bekomme ich soviel zurück!" Unsere Leihgroßeltern sind ehrenamtlich tätig und wir Familien machen nur eine geringe Spende pro Besuch der Leihgroßeltern an die ILM, um die Ausgaben des Leihgroßelternprojektes zu decken.

Mit freundlicher Genehmigung von 'Knickbein' Nr. 10/8. Jg. 2011