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Großeltern auf Pump sollen Zeit schenken

Kai Müller, 30.September 2009

Die Initiative Lebensraum Möhringen (ILM) will künftig Leihgroßeltern an Familien vermitteln 

Möhringen ist eine von drei Stadtbezirken, die für das Projekt 'Mobiles Generationenhaus' der Bürgerstiftung Stuttgart ausgewählt wurden. Ziel ist es, die Vernetzungen zwischen Alt und Jung zu verstärken. Dazu haben Arbeitsgruppen verschiedene Vorschläge entwickelt. Als eines der ersten Projekte soll nun ein Leihgroßeltern-Service in die Tat umgesetzt werden. Die ILM kümmert sich um die Organisation. 'Das ist eine tolle Lösung', sagte Bezirksvorstehter Jürgen Lohmann gestern bei einem Pressegespräch im Bezirksrathaus. Ähnlich sieht es seine Stellvertreterin Iska Dürr: 'Das Projekt ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie der Generationengedanke umgesetzt werden kann.'

Die ILM setzt bei den Leihomas und Leihopas voll auf die Karte Ehrenamt. 'Wir ersetzen aber die Auslagen', sagt die ILM-Vorsitzende Inge Diehl. Es könne schließlich nicht sein, dass man zum Beispiel die Fahrten mit Bus und Bahn zum Ersatzenkel aus der eigenen Tasche bezahlen müsse. Birgit Keyerleber, Diakonin der evangelischen Kirchengemeinde, wird sich um die Projektleitung kümmern - zumindest so lange bis sich jemand findet, der diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen will. 

'Eine regelmäßige Kinderbetreuung durch Tagesmütter ersetzen die Leihgroßeltern aber nicht', ergänzt Keyerleber. Vielmehr soll eine Beziehung ziwschen den Generationen aufgebaut werden. 'Die Großeltern sollen Zeit für Dinge haben, für die sonst keine Zeit bleibt', sagen Diehl und Keyerleber. Es gehe darum, Familien im Stadtbezirk Möhringen zu unterstützen. 'Gerade Alleinerziehende' sind oft am Rand ihrer Kräfte', sagt die Projektleiterin. Da tue es gut, etwa mal eine Stunde in Ruhe einkaufen gehen zu können. Drei Omas und ein Opa warten laut Keyerleber bereits darauf, dass sich Familien melden.

Zwei Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten stehen den Leihgroßeltern mit Rat und Tat zur Seite. 'Bei Fragen zur Erziehung kann man sich an diese wenden', erklärt Keyerleber.

Zugleich sollen regelmäßige Treffs angeboten werden, wo sich die Ersatzomis und -opis austauschen können. Diehl und Keyerleber hoffen, dass viele dauerhafte Beziehungen zwischen den Generationen entstehen. 'Planen kann man so etwas natürlich nicht', sagt die ILM-Vorsitzende. Gleichwohl können die Leihgroßeltern, falls die Chemie zwischen Jung und Alt nicht stimme, jederzeit wieder aussteigen.

Viele Erzieherinnen, so Keyerleber, begrüßten das Projekt. Schließlich wünschten sie sich mehr Tipps von den Großeltern, da manches junge Paar recht unsicher im Umgang mit ihren Kindern sei. 'Diese Ratschläge wirken sich stabilisierend auf die Familie aus', ergänzt die Gemeindediakonin.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 30.09.2009