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Ilm hilft, wenn der Papierkram über den Kopf wächst

Waltraud Daniela Engel, 22.Oktober 2013

Mit ihrem Angebot „Kümmerer“ schließt die Initiative Lebensraum Möhringen eine Lücke.

Bereits seit Juni kümmern sich ehrenamtliche Helfer kostenlos um die schriftlichen Angelegenheiten ihrer Klienten. Jetzt ist endlich auch die Broschüre fertig und liegt im Bezirksrathaus Möhringen, bei den Kooperationspartnern oder in Apotheken aus.

Die sogenannten Kümmerer treten immer dann in Aktion, wenn einem „der Papierkram über den Kopf wächst“, erklärt die Projektleiterin Birgit Keyerleber. Die Gründe, warum jemand Hilfe sucht, sind unterschiedlich. „Es kann sein, dass ein Ehepartner verstirbt, der sich immer um alle schriftlichen Dinge gekümmert hat“, sagt Gisela Bischoff, die Projektpartnerin von Keyerleber. In so einer Situation sehen sich gerade ältere Menschen überfordert von der Beantwortung der Schriftstücke. Aber auch praktische, fast schon banal anmutende Hilfe leisten die Kümmerer: Eine Klientin im Rollstuhl wusste nicht, wie der ausgefüllte Antrag ins Rathaus kommen sollte – der zuständige Kümmerer half selbstverständlich. Ein anderer Klient konnte aufgrund einer fortgeschrittenen Sehbehinderung nur noch mit Lupe lesen. Oder auch wenn der Inhalt eines amtlichen Schreibens unverständlich formuliert ist, können die Ehrenamtlichen helfen.

Dazu werden die Kümmerer gründlich von der Initiative Lebensraum Möhringen (Ilm) geschult: Durch Fortbildungen lernen sie Pflegeanträge auszufüllen, informieren sich über diverse Gebührenbefreiungen oder erfahren, wo man weiter- führende Kontakte findet. Damit schließt das Projekt eine Lücke und spricht diejenigen an, die zwar Hilfe in der Bewältigung der Papier- und Briefstapel benötigen, aber noch nicht hilfebedürftig genug sind, um einen gesetzlichen Betreuer oder Vormund zu bekommen. „Oft sind die Familienangehörigen weit weg oder sogar verstorben“, sagt Keyerleber. Dann bleibt oft niemand, der sich in komplizierte Anträge und Formulare hineinarbeiten kann. Zwischenzeitlich hat die Ilm 14 Kümmerer, alle „unglaublich qualifiziert“ , wie Keyerleber betont. Einer von ihnen ist zum Beispiel Steuerberater. Im Gegensatz dazu hat das Projekt bislang nur vier Klienten, welche die Hilfe eines Kümmerers in Anspruch nehmen. Projektleiterin Bischoff hofft, dass sich das durch die neue Broschüre ändert und weitere potenzielle Klienten darauf aufmerksam werden: „Die Kümmerer sitzen quasi in den Startlöchern.“

Unterstützt werden die Kümmerer von Kooperationspartnern, dem städtischen Bürgerservice Leben im Alter, der Diakoniestation Möhringen, dem Haus der Caritas, dem Betreuungsverein Stuttgart-Filder und dem Stadtseniorenrat. Diese stehen mit fachlichem Rat zur Seite. Nicht mehr aktiv können Kümmerer bei Menschen werden, die beispielsweise durch fortgeschrittene Demenz keine Handlungsvollmacht besitzen. Auch Bankgeschäfte – vor allem Bargeldgeschäfte – übernehmen sie nicht. Selbstverständlich behandeln die Kümmerer alle persönlichen Daten vertraulich, so die Projektleiterinnen.

Kümmerer gesucht? Wer Hilfe bei der Erledigung seiner schriftlichen Angelegenheiten braucht, kann sich bei der Ilm unter Telefon 71-942-61 melden. Das Angebot ist kostenlos.

Mit freundlicher Genehmigung der FIlderzeitung vom 22.10.2013