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Der Kümmerer erledigt den Papierkram

Alexandra Kratz, 25.April 2013

Die Initiative Lebensraum Möhringen startet im Sommer ein neues Projekt und sucht Ehrenamtliche. 

Als Gemeindediakonin erfährt Birgit Keyerleber immer wieder von Situationen, in denen ältere oder aber auch behinderte Menschen mit der täglichen Post überfordert sind. Rechnungen müssen bezahlt, Beiträge für Versicherungen angepasst und vielleicht auch mal ein Antrag ausgefüllt werden. Die Folge ist, dass sich Papierberge anhäufen. „Und niemand ist da, der sortiert und hilft, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und die anstehenden Dinge in die Wege zu leiten“, sagt Keyerleber.

Die Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm) will Menschen, die Unterstützung brauchen, künftig jemanden an die Hand geben. Es soll ein sogenannter Kümmerer sein, der bei der Erledigung des anfallenden Papierkrams hilft. „Wir suchen Ehrenamtliche, die Lust haben, sich mit diesem Schriftverkehr auseinanderzusetzen. Vielleicht findet sich auch jemand, der mal beruflich was in diese Richtung gemacht hat“, sagt Keyerleber, die auch Ilm-Geschäftsführerin ist.

Sie betont, dass es nicht darum gehe, im Haushalt zu helfen oder einen Menschen zu pflegen. Auch könne der Kümmerer keine Rechtsberatung leisten. Und er sei kein Bevollmächtigter. Die älteren Menschen müssen Briefe und andere Dokumente, auch weiterhin selbst unterschreiben. Für ihr neues Projekt Kümmerer hat die Ilm den Bürgerservice Leben im Alter, die Diakoniestation Möhringen-Sonnenberg-Fasanenhof, den Betreuungsverein Filder und den Stadtseniorenrat als Partner gewinnen können. Sie können auf ihren jeweiligen Fachgebieten weiterhelfen. Beispielsweise wenn es darum geht, einen Antrag auf Wohngeld auszufüllen oder eine Betreuungsvollmacht zu erstellen.

Und auch sonst werde der Kümmerer nicht allein gelassen. „Es wird regelmäßige Treffen geben, damit sich die Ehrenamtlichen untereinander austauschen und Fragen stellen können“, sagt die Projektleiterin Gisela Bischoff. Mit den Treffen wolle man den Ehrenamtlichen auch die verdiente Wertschätzung entgegenbringen.

Zudem plant die Ilm Hausbesuche, und zwar sowohl bei den potenziellen Kümmerern als auch bei den Menschen, die Unterstützung brauchen. „Wir wollen wissen, wer die Leute sind und schauen, wer zusammen passen könnte“, sagt Keyerleber. Darüber hinaus möchte die Ilm den Kontakt zu den Angehörigen der Menschen herstellen, die Hilfe brauchen. „Auch sie sollen wissen, mit wem sie es zu tun haben“, sagt die Ilm-Geschäftsführerin.

Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann hat sich bei der offiziellen Vorstellung des Projekts am Dienstag begeistert gezeigt. Wenn er den älteren Menschen in seinem Stadtbezirk zum Geburtstag gratuliere, würden ihm die Jubilare oft von genau solchen Problemen erzählen. „Ich freue mich, dass ich bei diesen Fällen künftig den Kontakt zur Ilm herstellen kann“, sagte Lohmann.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 25.04.2013