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Vom Auto bis zur Zuckerdose

Alexandra Kratz, 14.März 2016

Das Team des Heimatmuseums zeigt in einer Sonderausstellung Sammlerstücke. 

Beim Schütteln der Schneekugel werden Erinnerungen wach. Daran zum Beispiel, wie sie als Kind viele Ferientage mit ihren Eltern im Allgäu verbrachte. Dort bekam sie auch ihre erste Schneekugel, die noch immer eine besondere für sie ist. „Schneekugeln haben etwas Nostalgisches. Beruhigendes. Faszinierendes. Zumindest für mich.“ Wer diese Zeilen geschrieben hat, ist ein Geheimnis. Denn keiner der Sammler gibt seinen Namen preis. Die Schneekugeln aber sind in den kommenden Wochen im Heimatmuseum im Spitalhof zu sehen.
 Auch Irene Reichert hat viel übrig für Schneekugeln. Sie gehört zum Team des ehrenamtlich geführten Heimatmuseums und hat recherchiert: Erwin Perzy habe vor mehr als 110 Jahren die Schneekugel erfunden, sagt die Seniorin. Sein Ziel war es, das Ziel einer Schusterkugel mit Hilfe von Glas-Flitter weiter zu verstärken. Das alles können die Besucher in dem begleitenden Text nachlesen.
Die Schneekugeln sind nur ein kleiner Teil der neuen Sonderausstellung. In der Vitrine daneben befinden sich etliche Miniaturbücher. Das Kleinste ist in etwa so groß wie ein Fingernagel. „Miniaturbücher waren und sind auch immer Musterbeispiele hoher Buchkunst und Buchkultur“, heißt es im Begleittext. Das mache die Faszination der Miniaturbücher aus. Zu der Sammlung gehören aber auch ein paar der bei Kindern beliebten Pixi­Bücher. Die dünnen Heftchen sind in der Regel zehn mal zehn Zentimeter groß.

In der Vitrine auf der anderen Seite des Raumes stehen Sammeltassen. Die Tradition geht auf die Biedermeier-Zeit zurück, als im frühen 19. Jahrhundert Porzellan immer preiswerter wurde. Die Tasse mit dem „G“ hat eine besondere Bedeutung. Sie ist mehr als 100 Jahre alt. Im Februar 1945 wurde sie aus den Trümmern des von Bomben zerstörten Hauses geborgen – schmutzig, aber ohne einen einzigen Kratzer. 

Sammler tragen ihre Schätze oft aus aller Welt zusammen. So ist es zum Beispiel auch mit den Fingerhüten. Zwei Setzkästen voll sind im Spitalhof zu sehen. Auf ihnen stehen zum Beispiel die Namen bekannter Städte. „Die Kinder heute können mit einem Fingerhut gar nichts mehr anfangen. Sie wissen nicht, wozu man einen solchen braucht“, sagt Karin Mielich vom Team des Heimatmuseums. Und zugegeben, nicht alle Ausstellungstücke eignen sich auch tatsächlich zum Nähen. Darüber hinaus sind in der Sonderausstellung Zuckerdosen, Modellautos, Elefanten, Türklopfer und einiges mehr zu bestaunen. Die Projektleiterin Inge Epping ist sich sicher, dass sich die Kinder vor allem für die Teddys interessieren. Epping hat zwei der Bären sogar selbst genäht.
Im Herbst 2015 hatte das Team des Heimatmuseums die Bürger dazu eingeladen, ihre Sammlung im Heimat­ museum zu präsentieren. „Das Sammeln ist ein Urinstinkt der Menschen“, sagt Gudrun Mailänder vom Team des Heimatmuseums. Epping ergänzt: „Auch die Stadt sammelt in Museen und Archiven und bewahrt so die Geschichte. Wir wollten herausfinden, welche Schätze es zu Hause bei den Möhringern gibt.“ Acht Sammler hatten sich daraufhin gemeldet. Sie durften ihre Vitrine selbst einräumen. Wie sie zu ihrer Leiden­ schaft kamen, erzählen sie dem Betrachter in ihren kleinen Berichten.


DIE ILM LÄDT EIN

Die Ausstellung ist vom 19. März bis 5. Juni immer samstags von 10 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 16 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist kostenfrei. Das Museum befindet sich im Raum 3 im zweiten Obergeschoss im Spitalhof an der Filderbahnstraße 29.

Das Heimatmuseum ist ein Projekt der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm). Es wird ehrenamtlich geführt. Neue Mitstreiter sind willkommen und können sich bei der Projektleiterin Inge Epping unter Telefon 71 11 19 melden. 

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 14.03.2016