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Heimatmuseum zeigt Alltag vergangener Zeiten – neue Sonderausstellung

Raffaela Renz, 15.März 2015

Am 1. Februar 1935 wurde das Heimatmuseum eröffnet. Seitdem ist in Möhringen viel geschehen – der Alltag hat sich verändert, viele Alltagsgegenstände haben ihre Funktion verloren und drohten im Lauf der Jahrzehnte zu verschwinden. Das Heimatmuseum gibt seit acht Jahrzehnten mit seiner Sammlung einen Einblick in das Leben der Möhringer in vergangenen Zeiten.

Als Gewerbeoberlehrer Kurt Gläsche 1935 das Heimatmuseum im alten Spitalhof gegründet hat, dachte er wohl nicht, dass es 80 Jahre später immer noch existieren würde. Bei Wanderungen auf den Fildern war ihm aufgefallen, dass viele Gebrauchsgegenstände allmählich ihre Funktion verloren und zu verschwinden drohten. Also gründete er das Heimatmuseum als Sammlung mit Exponaten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Die Sammlung umfasste damals wie heute landwirtschaftliche, handwerkliche und häusliche Geräte, Kleidung und Textilien, bäuerliches und bürgerliches Mobiliar ebenso wie Urkunden aus vergangenen Epochen und umfangreiche Fotodokumente der jüngeren Vergangenheit.

Jahrzehntelang kümmerten sich engagierte Einzelpersonen um die Sammlung. Als dies im Jahr 2000 schwierig wurde, fand sich zunächst eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen lose zusammen. Da sich das Kulturamt der Stadt, zu dem das Museum gehört, aber bald einen festen Ansprechpartner wünschte, übernahm die Initiative Möhringen Fasanenhof Sonnenberg 2003 die Betreuung des Museums.

Museumsangebot erweitert

Eine ehrenamtliche Projektgruppe, die derzeit aus elf Helfern besteht, betreut seitdem das Museum, bietet Führungen an, pflegt die Exponate und ergänzt die Sammlung. Margarete Maier, Ur-Möhringerin, und Inge Epping, Leiterin der Projektgruppe, freuen sich sehr über den Erfolg des Museums, den sie auch dem Engagement der Ehrenamtlichen zuschreiben: »Wir sind mit Herzblut dabei und freuen uns immer wieder über das tolle Ergebnis. Die Arbeit macht Spaß, auch wenn manchmal viel zu tun ist.« Und: »Seit sich die Projektgruppe um das Museum kümmert, organisieren wir über die Dauerausstellung hinaus regelmäßig Sonderausstellungen und Einzelveranstaltungen zu Möhringer Themen«, erklärt Epping. Puppenstuben und Spielzeug, Krippen oder lokales Handwerk standen bereits auf dem Programm.

Sonderausstellung ab März

Ab Anfang März ist nun »Handwerk in Möhringen Teil 2« zu sehen. Vorgestellt werden – wie bereits im vergangenen Jahr mit Teil 1– Handwerksberufe, die früher in Möhringen ansässig waren und es teilweise auch heute noch sind. Reiner Gorges und Rose Kasperkowitz, ebenfalls Mitglieder der Projektgruppe, haben die Organisation der Ausstellung übernommen und sind derzeit noch fleißig mit dem letzten Feinschliff beschäftigt. »Korbmacher, Schneider, Steinmetz und Zimmermann – wir zeigen Originalwerkzeuge und -schaustücke von Möhringer Handwerkern aus diesen Bereichen«, erklären Gorges und Kasperkowitz. So sind etwa Teile einer aufgegebenen Möhringer Korbmacherwerkstatt zu sehen, die bis zum Schluss noch sehr traditionell gearbeitet hat: Als Korbmachermeister Christian Günther vor einigen Jahren verstarb, ging ein Teil seiner Werkstatt-Ausstattung aus der Unteren Brandstraße 18 als Nachlass an das Museum. »Das war eine seltene Gelegenheit und ein Glücksfall; dieses Handwerk ist in den letzten Jahrzehnten sehr selten geworden. Entsprechend wenig historische Stücke haben sich erhalten«, sagt Gorges. Auch Steinmetz ist heutzutage ein Nischenberuf geworden. Im Jahr 1937 war das noch anders: Allein in Möhringen gab es damals neun Steinhauer oder Angehörige von Steinberufen. Heute gibt es hier gerade noch einen Steinmetz – von ihm stammt übrigens auch ein Teil der gezeigten historischen Exponate.

Mehr Helfer und ein Aufzug

Zwei Dinge treibt das Museumsteam bei allem Erfolg aber um: »Wir suchen neue ehrenamtliche Mitarbeiter zur Verstärkung. Jeder Interessierte kann helfen, geschichtliche Vorkenntnisse sind nicht erforderlich«, versichert Epping. Und: Das Museum, das das Obergeschoss des Spitalhofs belegt, ist nicht barrierefrei erreichbar. »Wir bräuchten ganz dringend einen Aufzug für das Gebäude, damit uns auch betagte oder gehbehinderte Besucher erreichen können«, sind sich Epping, Maier, Kasperkowitz und Gorges einig.

Mit freundlicher Genehmigung von Möhringen Aktuell, Ausgabe 02/2015