Mobirise

Von Fassmachern und Pferdeschuhen

Rebecca Stahlberg, 12.Februar 2014

Am Donnerstag eröffnet die Sonderausstellung „Handwerk in Möhringen“ im Heimatmuseum. Zu sehen ist, wie vier traditionsreiche Möhringer Handwerksberufe entstanden sind und welche Werkzeuge man einst benutzt hat. 

Bäcker gibt es vielerorts, auch ein Schmied und ein Schuhmacher sind jüngeren Menschen noch ein Be­griff – auch wenn es von diesen beiden traditionsreichen Handwerksberufen immer weniger Vertreter gibt. Was aber macht ein Küfer? Die Antwort findet sich im Heimatmuseum Möhringen. In der neuen Sonderausstellung, die morgen eröffnet, erklären die Ehrenamtlichen der Projektgruppe Heimatmuseum der Ilm (Initiative Lebensraum Möhringen­ Fasanenhof­ Sonnenberg) die Entstehungsgeschichte dieser vier alten Handwerksberufe und zeigen die jeweiligen Werkzeuge und Erzeugnisse.

Um die Neugier schon vorab ein wenig zu befriedigen: „Ein Küfer ist ein Fassmacher“, erklärt Rose Kasperkowitz, die zusammen mit Reiner Gorges die Projektleitung der Ausstellung übernommen hat. Der Küfer baut Fässer, indem er Eichenholzlatten – die sogenannten Dauben – zusammenfügt und sie mit Hilfe von Feuerkörben in die gewünschte Fassform biegt.

Die meisten Exponate der Ausstellung stammen von Gorges, der derzeit im Ausland weilt und bei der Ausstellungseröffnung nicht zugegen sein kann. „Herr Gorges ist ein passionierter Sammler, der oft auf Flohmärkten unterwegs ist und interessante Dinge erwirbt“, berichtet Kasper­ kowitz. Einiges sei zudem aus dem Besitz von Gorges Familie. Weitere Leihgaben sind von der Bäckerei Schrade, die für den Bereich über das Bäckerhandwerk unter anderem eine Krokanteierpresse und eine Nudelmaschine zur Verfügung gestellt hat, sowie von alteingesessenen Möhringern. „Man staunt immer wieder, was die Leute noch so alles im Keller oder auf dem Dachboden haben“, sagt Rose Kasperkowitz. Der Ausstellungsraum im zweiten Obergeschoss des Spitalhofgebäudes solle eine Atmosphäre des alten Fleckens Möhringen vermitteln, beschreibt sie. Da sie selbst keine Ortsansässige sei, habe sie daher mit vielen Einwohnern gesprochen, die ihr von früher erzählten und alte Fotos lieferten, berichtet sie.

Diese Fotos sind großformatig an den Wänden des Ausstellungsraums aufgehängt, außerdem Erläuterungen zur Entstehungsgeschichte der vier Handwerksberufe sowie diverse bekannte Sprichwörter zum Thema wie etwa „Handwerk hat goldenen Boden“ oder „Man muss das Eisen schmieden solange es heiß ist“. Ein Stadt­plan von 1937 zeigt das alte Möhringen – Sonnenberg gehörte schon dazu, der Fasanenhof war noch kein Wohngebiet – mit da­ mals nur rund 7000 Einwohnern. Inzwischen leben mehr als 30 000 Menschen im Stadtbezirk. Dennoch gab es zu jener Zeit bereits 18 Bäcker. „Damals gab es noch keine Fabriken und Maschinen, die jeweiligen Handwerker konnten natürlich weitaus weniger ihrer Erzeugnisse herstellen als heutzutage und es war alles viel kraftaufwendiger“, erklärt Kasperkowitz. Es heiße nicht umsonst „Hand­werk“, da eben alles noch in mühsamer Arbeit mit den Händen gemacht worden sei. Genau das wolle man mit der Ausstellung auch vermitteln. „Ein Schmied war früher für alles zuständig, vom Kuchen­blech über Nägel, Äxte und Sensen bis zu Schloss und Riegel“, sagt sie. „Es gab halt damals noch keinen Baumarkt, man musste alles beim Schmied bestellen und der fertigte es mit der Hand an.“

Zu sehen sind neben Amboss, Zangen, Hämmern und Hufeisen auch eine mobile Feldschmiede. Ein ganz besonderes Exponat befindet sich beim Schuhmacher: ein Pferdeschuh. „Die wurden den Pferden an­ gezogen, wenn sie wunde Hufe hatten“, er­ läutert Rose Kasperkowitz.

Der Bereich über den Bäcker wird von einem Foto illustriert, das den Großvater von Bäckermeister Andreas Schrade zeigt. Reiner Gorges hat alte Backformen beigesteuert, die Mehlsäcke stammen aus dem Bestand des Heimatmuseums. „Etliche Exponate konnten wir selbst beisteuern“, sagt Kasperkowitz. Dadurch sei übrigens auch die Idee für die neue Ausstellung geboren worden: Beim Aufräumen entdeckten die Mitglieder der Projektgruppe jede Menge Exponate zum Thema Handwerk und beschlossen, es zum Inhalt der nächsten Sonderausstellung zu machen. Gut 140 Arbeitsstunden haben Kasperkowitz und Gorges insgesamt in die Ausstellung investiert.

Diese richte sich an ein gemischtes Publikum jeden Alters, erklärt Museumsleiterin Inge Epping. „Die jüngeren Besucher lernen etwas über die Handwerksberufe, bei den Älteren wird es hoffentlich viele Jugenderinnerungen hervorrufen“, sagt sie.


Die Sonderausstellung „Handwerk in Möhringen“ eröffnet am Donnerstag, 13. Februar, um 19 Uhr im Heimatmuseum Möhringen, Filderbahnstraße 29, zweites Obergeschoss, Raum 3.

Öffnungszeiten Die Ausstellung ist bis Sonntag, 1. Juni, zusehen. Geöffnet ist samstags von 10 bis 12 Uhr sowie sonntags von 14 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen durch die Ausstellung (auch für Schulklassen) kann man unter Telefon 71 11 19 buchen.

Vorträge Im Rahmen der Ausstellung gibt es zwei Vorträge. Am Donnerstag, 13. März, referiert Bäckermeister Andreas Schrade ab 20 Uhr über Brot­ backen ohne chemische Zusatzstoffe. Es gibt außerdem eine Diashow von Werner Hennig. Am Donnerstag, 3. April, spricht Dieter Haug ab 19 Uhr über Zünfte in Baden­ Württemberg. 

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 12.02.2014