Mobirise

Mit dem Privattaxi in die Ortsmitte

Stefanie Käfferlein, 22.August 2012

Seit zwei Monaten gibt es das Einkaufsmobil der Ilm. Die Senioren sind von dem Service begeistert. 

An diesem Morgen ist es nur ein kurzer Einkaufszettel. Viel besorgen muss Vera Meljnikov nicht. „In der Metzgerei Bienzle möchte ich ein wenig Fleisch kaufen“, sagt sie. „Beim Rewe sollte ich auch noch das eine oder andere besorgen“, sagt die allein stehende Seniorin, während sie im Einkaufsmobil auf dem Beifahrersitz Platz nimmt. „Sie haben ja nette Fenster an der Seite“, stellt Vera Meljnikov entzückt fest und deutet in Richtung Armaturenbrett.

Dienstag ist für Vera Meljnikov Einkaufstag. Seit zwei Monaten erledigt die gebürtige Kroatin, die seit 46 Jahren in Möhringen lebt, immer am zweiten Werktag der Woche ihre Einkäufe. Denn seit dieser Zeit gibt es das Einkaufsmobil der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm). An zwei Tagen in der Woche sind derzeit zehn Ehrenamtliche mit ihren Fahrzeugen unterwegs, fahren die Gäste zum Einkaufen in den Ortskern und holen sie dort auch wieder ab.

An diesem Morgen rollt der Van von Bernd Scholtheis durch die Möhringer Straßen. Für ihn ist es eine Premiere. „Ich fahre heute das erste Mal“, sagt er. Zwar sei er bereits mehrmals eingeteilt gewesen, gemeldet hatte sich für diese Tage aber niemand. Nach wenigen Minuten Fahrt hält er auf dem Parkplatz des Lebensmittelmarkts an der Filderbahnstraße. „Wann wollen Sie wieder abgeholt werden?“, fragt Scholtheis. Es ist zehn Minuten vor zehn Uhr. „10.30 Uhr wäre prima“, sagt Meljnikov. „Um 10.10 Uhr muss ich noch jemanden abholen, aber ich denke, das passt gut“, sagt Scholtheis und verabschiedet sich. Vier weitere Fahrgäste stehen an diesem Vormittag auf seiner Liste. 

„Ich bin einfach begeistert von dem Angebot“, sagt Meljnikov, während sie die Metzgerei Bienzle ansteuert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Taxifahrern seien die Fahrer der Ilm ehrenamtlich unterwegs, nähmen sich Zeit und unterhielten sich mit ihren Fahrgästen. „Und vor allem weiß ich nun auch, dass ich nicht komplett auf mich allein gestellt bin“, sagt sie. „Ich weiß, dass ich immer zu einer bestimmten Uhrzeit wieder abgeholt werde.“ Vera Meljnikov war am 12. Juni die erste, die das Einkaufsmobil in Anspruch genommen hatte. Seither macht sie für das Angebot der Ilm in ihrer Nachbarschaft Reklame. Denn mit ihr würden dort viele ältere Menschen leben, die ebenfalls auf Hilfe angewiesen seien.

„Das Einkaufsmobil ist nicht nur für diejenigen älteren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, sondern auch für solche, wie mich, die andere Beschwerden haben und nicht so mobil sind“, betont die Seniorin. Wegen einer Krankheit, die den Gleichgewichtssinn in Mitleidenschaft zieht, kann Vera Meljnikov nicht mehr problemlos jederzeit das Haus verlassen. „Früher war es für mich überhaupt kein Problem, zu Fuß einkaufen zu gehen“, erinnert sich Vera Meljnikov. Sie hat zwar noch ein Auto, benutzen tut sie es wegen ihrer Krankheit allerdings nur noch sehr selten.

Derzeit wird der Service der Ilm montags und dienstags, jeweils von 9 bis 12 Uhr angeboten. „Wobei sich gezeigt hat, dass der Montag nicht so gut läuft“, sagt Manfred Breuning, der Projektleiter und zugleich Kassierer bei der Ilm. Daher gibt es die Überlegung, statt des Montags den Donnerstag anzubieten. Hinter der Idee des Einkaufsmobils stand das Ziel, die alten und nicht mehr mobilen Menschen am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen.

Alte und gehbehinderte Bürger sollten raus aus dem Haus kommen, Kontakte pflegen und die Möglichkeit erhalten , vor dem Regal im Supermarkt selbst zu entscheiden, was sie haben möchten. Ein jeder der zehn Fahrer ist derzeit ein- bis zweimal im Monat im Einsatz. Die Helfer fahren mit den eigenen Autos, sind aber über die Ilm versichert. Pro Tag gibt es zwischen einer und fünf Fahrten, elf Personen sind inzwischen Stammgäste und nutzen regelmäßig den Einkaufsservice.

Die Mitarbeiter des Pflegezentrums Bethanien helfen bei der Koordination des Fahrplans. „Wer mitfahren möchte, meldet sich im Bethanien“, sagt Breuning. Am Tag vor der Fahrt erhält der jeweilige Fahrer einen Plan, wann er wo wen abholen kann. Ebenfalls unterstützt wird das Projekt vom örtlichen Gewerbe- und Handelsverein. Im Vorfeld wurde der Bedarf für das Einkaufsmobil über Fragebögen abgefragt, die in Geschäften und Pflegeheimen ausgelegt waren. „Nach den Ferien wollen wir Flyer machen und diese in den Geschäften auslegen, damit das Angebot bekannter wird“, sagt Breuning. Denn das sei bisher noch ein Manko: Vielerorts habe sich das Einkaufsmobil noch gar nicht herumgesprochen.

Inzwischen hat Vera Meljnikov das Fleisch im Einkaufskorb verstaut und den Lebensmittelmarkt gegenüber betreten. Die Orchideen im Regal gefallen der Seniorin so gut, dass sie spontan eine davon mitnimmt. „Die weißen blühen immer so schön“, sagt sie. „Und vor allem so lange.“ Die Zeit hat die Seniorin gut eingeschätzt. Es ist kurz vor halb elf, als sie das Geschäft verlässt und auf den Parkplatz läuft. Bernd Scholtheis wartet bereits. Mit vollen Taschen geht es schließlich nach Hause. „Ich bin froh, dass ich alles erledigt habe“, sagt Meljnikov. Am kommenden Dienstag ist wieder Einkaufstag.

Einkaufsmobil Infos gibt es bei der Ilm unter www.ilm-ev.de oder unter 7194261. Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, kann sich im Bethanien unter 71840 anmelden.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 22.08.2012