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Helfen, wo es klemmt und wackelt

Ilona Crotogino, 16.September 2015

„Dätsch mer net“ heißt ein neues Ehrenamtsprojekt der Initiative Lebensraum


Ob die Schranktür quietscht, der Lieblingsstuhl wackelt oder der Wasserhahn tropft: Oftmals sind es Kleinigkeiten, die in Minutenschnelle erledigt werden könnten ­ wenn es denn so einfach wäre. „Dätsch mer net“ heißt ein neues Projekt, das die Initiative Lebensraum Möhringen­ Fasanenhof­ Sonnenberg (ILM) ins Leben gerufen hat. Ehrenamtliche Helfer kommen ins Haus und packen an, wo es klemmt. Für das neue Projekt sucht die Initiative Verstärkung.

Peng, kaputt ist die Glühbirne. Jetzt sollte man auf eine Leiter steigen – doch ab einem gewissen Alter machen die Gliedmaßen nicht immer so mit. „Es gibt immer mehr allein lebende Ältere, die ab und zu mal Hilfe brauchen“, sagt der Vorsitzende der Initiative Lebensraum Möhringen­ Fasanenhof­ Sonnenberg (ILM), Friedrich Bretz. Deshalb haben die findigen Köpfe des Vereins das nächste Ehrenamts-Projekt ins Leben gerufen und es auf den einprägsamen Namen „Dätsch mer net“ getauft. Wie das neue Netzwerk, das jüngste von derzeit 14 ILM-Unternehmen, funktionieren soll, erläutert die Gemeindediakonin Birgit Keyerleber, die auch Geschäftsführerin ist.

„Wir leisten Hilfe für Bedarf an kleinen Dingen im Haushalt“, stellt sie das Projekt vor. Sei es ein tropfender Wasserhahn, die Batterie im Nachttisch-Wecker oder die Schraube, die dringend nachgezogen werden müsste, all das können die ehrenamtlichen Helfer erledigen – Anruf genügt. Ein Mitarbeiter ruft zurück, um einen Termin zu vereinbaren. Wer ins Haus kommt, kann sich sogar ausweisen. „Man liest so viel über Enkeltrick-Betrüger,“, erklärt Bretz diese vertrauensbildende Maßnahme. Kosten entstehen keine, Spenden sind jedoch erbeten. Die Telefonzentrale, über welche die Kontakte zwischen den „Kunden“ und den rettenden Reparaturengeln zusammenlaufen sollen, stellt das Pflegezentrum Bethanien. Über diese Verbindung freut sich der Leiter des Hauses, Jörg Treiber. „Auch wir profitieren stark von der ILM“, erklärt er mit Hinweis auf den von der Initiative betriebenen Besucherbus.

Nur eines können die Mitarbeiter nicht leisten: „Wir können den Dienst eines qualifizierten Handwerkers nicht ersetzen“, erklärt Birgit Keyerleber. Im Zweifelsfall empfehlen die ILM-Leute Handwerker vor Ort, welche die Reparatur fachmännisch ausführen könnten. Oft handle es sich jedoch nur um Kleinigkeiten, die normalerweise vielleicht der Sohn oder der Enkel „geschwind“ erledigen könne, eben unter dem Motto „Dätsch mer net“. – wenn diese denn gerade Zeit haben, was oft nicht der Fall ist.

Der Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann hat die Ehrenamts-Initiative schon seit dem Start im Jahr 1998 mit Begeisterung unterstützt, und so hält er es auch mit der neuesten Idee der aktiven Bürger.

Auf seinen Geburtstagsbesuchen habe er schon einer Jubilarin geholfen, die kaputte Glühbirne zu wechseln, er­ zählt er. „Ich erlebe es täglich, der Bedarf ist da.“ Nun fehlt es nur noch an Mitstreitern. Gefragt sind Menschen mit Heimwerker-Kenntnissen. Außerdem suchen die ILM-Leute Projektleiter – gerne auch Damen und Herren, die sich diese Position teilen könnten. Das beschriebene Aufgabenspektrum mag nach „ebbes für Kerle“ aussehen, dennoch: Auch Frauen sind willkommen.

Die ersten beiden Ehrenamtlichen, die sich schon jetzt gemeldet haben, sind freilich gestandene Männer, die in ihren aktiven Berufsjahren ein Handwerk ausgeübt haben.

Kurt Beck, Schlossermeister im Ruhestand, hat sich schon immer ehrenamtlich engagiert, unter anderem beim ILM-Fahrdienst und im Posaunenchor. Der (bis jetzt) Zweite im Bunde, der Elektromaschinenbauer Horst Schmid, hilft ohnehin schon hier und da aus, wo es klemmt. Für ein Vergelt’s Gott, das versteht sich. Warum er sich gemeldet hat? „Es war die Idee meiner Frau“, sagt er und schmunzelt. „Sie hat gemeint, mir sei es sicher langweilig.“ Noch gut sechs bis acht Mitstreiter suchen die beiden Kollegen – für den Anfang. Denn darüber sind sich alle einig: Still stehen wird das Telefon im Bethanien sicher nicht.


Mehr Informationen, auch zum Mitmachen, hat Friedrich Bretz, Telefon 7194261, oder über unser Kontaktformular. Für Leute die Hilfe brauchen: Die Rufnummer ist 71 84 26 78. Das Telefon im Bethanien ist von Montag bis Freitag zwischen 14 und 17 Uhr besetzt.

Mit freundlicher Genehmigung des Stuttgarter Wochenblatts vom 16.09.2015