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Ehrenamtliche schenken alten Menschen Zeit

Alexandra Kratz, 8. März 2016

Gerlinde Zeitler hat die Leitung des Besuchsdienstes übernommen und sucht neue Mitstreiter.  

Alle zwei Wochen lauscht Gerlinde Zeitler den Erinnerungen einer 94 Jahre alten Dame. Sie erzahlt von ihrer Kindheit. Wie es war, als sie in die Schule ging, von einem Leben ohne Auto, Handy und Geschirrspuler, aber auch von den Schrecken des Krieges. „Sie ist Zeugin einer Zeit, die ich selbst nicht erlebt habe. Das, was sie mir erklärt, steht in keinem Ge­schichtsbuch“, sagt Zeitler. Diese Erzahlungen sind es, warum Zeitler ihr Ehrenamt so liebt. Seit 2005 engagiert sie sich in der evangelischen Gemein­ de Mohringen, seit 2006 macht sie beim Besuchsdienst der Initiative Lebensraum Möhringen­ Fasanenhof­ Son­ nenberg (Ilm) mit. Dessen Ziel ist es, alleinstehenden alten Menschen Zeit zu schen­ken, ihnen zuzuhören, mit ihnen spazieren oder in ein Café zu gehen. Mit ihnen Kreuz­worträtsel zu lösen oder aus der Zeitung vorzulesen und so einen Bezug zur Realität herzustellen.

Gerlinde Zeitler hat vor Kurzem die Pro­jektleitung für den Besuchsdienst von Irm­gard Schönfuß übernommen. „Mir ist das soziale Engagement wichtig. Das ist mein Beitrag für unsere Gesellschaft. Für mich ist das keine Verpflichtung. Ich mache das gern“, sagt die 59-­Jährige. Mittlerweile wohnt sie in Plieningen. Die evangelische Gemeinde Möhringen sei aber nach wie vor ihre Heimat. Für ihr Ehrenamt ist Zeitler gut gerüs­tet. Sie hat mehrere Ausbildungen absol­viert, unter anderem einen Kess-­Kurs. Die Abkürzung steht für Kommunikation, Erfahrung, Spiritua­lität und Seelsorge. „Die Teil­nehmer lernen, sich selbst zu reflektieren, anderen Menschen zu begegnen und mit ihren Sorgen und Nöten umzugehen“, sagt Zeitler. Das ist wichtig. Denn alte Menschen, die allein sind, leiden oft an depressiven Stimmungen oder einer begin­nenden Demenz. Sie sind vielfach miss­trauisch und ängstlich. Sie können verloren gegangene Beziehungen nicht kompensie­ren oder Hilfe organisieren und geraten so zunehmend in die Isolation. Derzeit sind es zehn Frauen und ein Mann, die sich für den Besuchsdienst der Ilm engagieren. Doch die Zahl der allein lebenden alten Menschen steigt. „Darum brauchen wir dringend mehr Ehrenamtli­che“, sagt Birgit Keyerleber. Sie ist Diako­nin und die Geschäftsführerin der Ilm. Demnächst beginnen neue Schulungen. Die Ehrenamtlichen sind im Verein versi­chert. Sie erhalten eine geringe Aufwandsentschädigung. Denn für das Projekt gibt es Zuschüsse von der Stadt. „Außerdem hat die Ilm eine eigene Dankeskultur entwi­ckelt“, sagt Keyerleber und meint damit zum Beispiel den regelmäßigen Austausch untereinander bei Gruppentreffen, aber auch ein gemeinsames Abendessen als Dankeschön. „Und auch von den alten Menschen, die wir besuchen, kommt ganz viel zurück“, sagt Zeitler.

Kontakt Wer Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich bei Birgit Keyerleber unter Telefon 7 19 42 61 oder per Mail an info@ilm­-ev.de melden.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 08.03.2016