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Ein Stück Lebensfreude geben

Alexandra Kratz, 11.September 2012

Der Besuchsdienst der Initiative Lebensraum Möhringen sucht ehrenamtliche Mitarbeiter. 

Svenja Blach wollte sich schon seit langem ehrenamtlich engagieren. Doch irgendwie habe sie immer wieder Ausreden gefunden, es doch nicht zu tun, sagt die 24-Jährige. Vor knapp einem Jahr fasste sich die junge Frau dann ein Herz. Durch einen Prospekt wurde sie auf die Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm) aufmerksam. Nur wenige Wochen später war sie eine von derzeit 15 ehrenamtlichen Helfern des Ilm-Besuchsdienstes. Seitdem ist Svenja Blach einmal in der Woche bei einem 84-jährigen Herrn zu Gast. Das heißt, eigentlich machen die beiden immer einen kleinen Ausflug in ein Café. Mal ist die Innenstadt das Ziel, mal die Vaihinger Schwabengalerie oder das Schloss Hohenheim. „Wir sind mittlerweile richtige Freunde geworden“, sagt Blach.

Das hört Irmgard Schönfuß natürlich gern. Sie ist die Projektleiterin des Ilm- Besuchsdienstes und das seit dessen Gründung vor zwölf Jahren. „Unser Ziel ist es, allein lebende Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen“, sagt Schönfuß. Oftmals würden sich ältere Menschen nicht mehr aus ihrer Wohnung trauen – beispielsweise aus Angst, zu stürzen.

„Wir wollen den Menschen ein Stück Lebensqualität zurückgegeben“, ergänzt Birgit Keyerleber, die Diakonin der evange- lischen Kirchengemeinde. Beim Besuchsdienst gehe es bewusst nicht um die Hilfe im Haushalt. „Diese Aufgabe übernimmt die Diakoniestation, die unser Kooperationspartner ist“, sagt Keyerleber. Ein kleiner Abstecher zum Bäcker oder Metzger sei aber durchaus drin. „Für ältere Menschen ist es wichtig, wenn sie hin und wieder auch selbst beziehungsweise in Begleitung einkaufen können. Auch so etwas macht die Menschen glücklich“, sagt die Diakonin.

Doch Svenja Blach weiß, dass nicht nur die Senioren von dem Besuchsdienst der Ilm profitieren. „Ich bekomme ganz viel zurück. Es ist auch eine Bereicherung für einen selbst“, sagt die Studentin. Als junger Mensch könne man beispielsweise von der Lebenserfahrung der Älteren profitieren. Und man lerne, sich ein Stück weit in das Leben der Älteren hineinzuversetzen. „Außerdem habe ich Kontakt zu jemandem bekommen, den ich ansonsten wahrscheinlich nie kennengelernt hätte“, sagt Blach.

Für Birgit Keyerleber gibt es noch ein paar mehr gute Gründe, um sich beim Besuchsdienst der Ilm ehrenamtlich zu engagieren. So werden kostenlose Fortbildungen angeboten, beispielsweise zu Themen wie Depressionen im Alter oder ein Erste-Hilfe-Kurs. Darüber hinaus treffen sich die Ehrenamtlichen regelmäßig zum Erfahrungsaustausch. „So etwas ist uns als Verein wichtig. Wir lassen niemanden allein“, betont auch Irmgard Schönfuß.

Für Svenja Blach war es am Anfang schon ein wenig „komisch“, sich mit einem 84-Jährigen zu treffen. Doch dieses Gefühl sei schnell verflogen. „Ich habe die gemeinsamen Ausflüge schon sehr bald nicht mehr als Pflicht empfunden, sondern als willkommene Abwechslung“, sagt Blach.

Irmgard Schönfuß ist mit ihrem 15-köpfigen Besuchsdienst sehr zufrieden. „Ich habe lauter nette Frauen, fünf davon sind von Anfang an dabei“, sagt die Projektleiterin. Allerdings hätte sie gern mehr ehrenamtliche Mitarbeiter. Ein Grund dafür: Blach wird ihren älteren Herrn nur noch wenige Male treffen können. Denn sie hat ihr Bachelor-Studium an der Hochschule der Medien abgeschlossen und will nun ihren Master an der Universität Leipzig machen. Doch eines steht für Blach fest: „Ich werde mir auch dort etwas suchen, wo ich mich ehrenamtlich engagieren kann.“ Diesmal soll es keine Ausreden geben.

Wer sich engagieren und regelmäßig einmal die Woche etwa ein bis zwei Stunden seiner Zeit einem älteren Menschen widmen möchte, kann sich bei Irmgard Schönfuß unter Telefon 7 28 60 75 melden.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 11.09.2012