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Besucher-Bus Bethanien feiert runden Geburtstag

Alexandra Kratz, 23.Oktober 2010

Ehrenamtliche chauffieren seit zehn Jahren Senioren vom Bahnhof Möhringen und zurück.

Der BesucherBus Bethanien ist wohl der einzige Bus in Stuttgart, der einem nie vor der Nase wegfährt, bei dem die Fahrgäste mit Namen und Handschlag begrüßt werden und bei dem es nicht verboten ist, während der Fahrt mit dem Fahrer zu sprechen. Seit zehn Jahren gibt es den ehrenamtlichen Fahrdienst, der im eigenen Pkw ältere Menschen dreimal in der Woche im Viertelstunden-Takt vom Bahnhof Möhringen zum Pflegeheim Bethanien chauffiert und es ihnen so ermöglicht, Angehörige in der Wohnanlage zu besuchen. Gestern wurde der runde Geburtstag gefeiert.

Das Projekt war seinerzeit von Albrecht Roos und Martin Härter, Mitglieder der Initiative Lebensraum Möhringen-Fasanenhof-Sonnenberg (Ilm), angestoßen worden. Doch bis der erste Besucher-Bus Bethanien am 24. Juni 2000 seine Runden drehen konnte, galt es noch viele Hindernisse zu überwinden. Die Stuttgarter Straßenbahnen(SSB) und der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) lehnten aus wirtschaftlichen Gründen die Verlängerung der Buslinie 72 ab. Auch eine Kleinbuslinie kam wegen des geringen Fahrgastaufkommens für SSB und VVS nicht in Frage.

"Die Pläne einer privaten Kleinbuslinie scheiterten trotz Unterstützung von den verschiedensten Seiten an den Auflagen durch das Personenbeförderungsgesetz", sagte die Ilm-Vorsitzende Inge Diehl. Zwar habe es kurzfristig tatsächlich einen Kleinbus gegeben. Doch die überwiegende Mehrzahl der ehrenamtlichen Fahrer hatte keinen Busführerschein. Daher hatte man nur die Möglichkeit, entweder den Bus so umzubauen, dass es in diesem nur noch eine sehr begrenzte Anzahl an Plätzen gibt, oder aber das eigene Auto zu nehmen. Die Initiatoren entschieden sich für die zweite Variante. An der Bezeichnung Besucher-Bus hielt die Ilm dennoch fest.

Rund 20 000 Fahrgäste haben den Besucherbus Bethanien in den vergangenen zehn Jahren genutzt. Dem Fahrerteam gehörten immer 16 bis 18 Ehrenamtliche an. "Ohne ihr Engagement könnten wir heute kein Jubiläum feiern", sagte Diehl. Doch auch die SSB haben das Projekt "ideell und wirtschaftlich" unterstützt, so die Ilm-Vorsitzende. So habe das Nahverkehrsunternehmen beispielsweise die offiziellen Haltestellenzeichen aufgestellt und die Fahrpläne regelmäßig aktualisiert.

Dank richtet Inge Diehl auch an Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann, der das Projekt von Anfang an begleitet und unterstützt habe. Lohmann gab das Lob zurück. "Dass jemand nicht nur Zeit, sondern auch noch sein 'heiliges Blechle' - also das eigene Auto - zur Verfügung stellt, ist für einen Schwaben schon außergewöhnlich", sagte der Schultes.

Und weil das Projekt seinen zehnten Geburtstag feierte, brachte Lohmann auch gleich noch zwei Geschenke mit: Zum einen spendet der Möhringer Bezirksbeirat den ehrenamtlichen Fahrern 300 Euro aus seinem Kulturetat für eine "teambildende Maßnahme", wie Lohmann es formulierte. Zum andren sagte das Ordnungsamt auf Lohmanns Drängen vor kurzem zu, an der Kreuzung Probststrße/Balinger Straße einen grünen Rechtsabbieger-Pfeil in Richtung Bethanien anzubringen.

Mit freundlicher Genehmigung der Filderzeitung vom 23.10.2010